Fonds-Report

15.02.2010 von Boerse Muenchen

Wie zu erwarten war, dominierten die griechischen Finanzprobleme in der Vorwoche die Diskussionen an den internationalen Börsen. Die wenig konkreten europäischen Hilfszusagen für Griechenland enttäuschten einerseits zwar die Anleger, andererseits sorgten sie aber doch für eine gewisse Beruhigung. Ähnlich widersprüchlich fielen auch die jüngsten Konjunkturdaten aus. Unter anderem standen hier schlechte deutsche Wachstumszahlen positiven US-Arbeitsmarktzahlen gegenüber. Die in der Vorwoche bekannt gegebenen Unternehmensergebnisse wurden allerdings überwiegend positiv bewertet. An den Aktienmärkten setzte sich angesichts der unterschiedlichen Signale lange Zeit keine einheitliche Tendenz durch. Nach deutlichen Schwankungen schafften es die Kurse zum Wochenausklang hin aber ins Plus – und unterbrachen so den starken Abwärtstrend der vorausgegangen Woche. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verbesserte sich letztlich um 1,2 Prozent auf 5.500,39 Punkte. In New York legte der Dow-Jones-Index im Wochenvergleich um 0,9 Prozent auf 10.099,14 Zähler zu. Der marktbreitere S&P-500-Index verbesserte sich ebenfalls um 0,9 Prozent auf 1.075,51 Punkte. An den Rentenmärkten wiederum stiegen die Kurse südeuropäischer Papiere spürbar. Dies wurde mit den besseren Aussichten für diese Papiere nach der Hilfszusage der europäischen Regierungschefs für Griechenland begründet.  Auch wenn es eine generelle Hilfszusage gibt, so wird das Thema Griechenland die internationalen Finanzmärkte auch in der aktuellen Woche nachhaltig beschäftigen. Diese Auffassung vertreten so gut wie alle Marktbeobachter. Im Blickpunkt des Interesses steht dabei das Treffen der EU-Wirtschafts- und Finanzminister an diesem Dienstag. Hier hoffen die Auguren auf konkretere Aussagen dazu, wie die EU Griechenland unterstützen wird. Der Blick der Marktteilnehmer richtet sich daneben auch auf die in dieser Woche anstehenden neuesten Konjunkturzahlen. Dabei werden vor allem Zahlen zu Frühindikatoren veröffentlicht – so zum Beispiel der ZEW-Indikator und die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für Deutschland. In den USA steht unter anderem der Philadelphia-Geschäftsklima-Index zur Veröffentlichung an.

Carmignac Gestion sieht kaum Chancen bei Rentenpapieren

Dass das Thema Griechenland auch für die meisten Fondsmanager eine wesentliche Rolle spielt, ist klar. Dies bestätigte indirekt auch Eric Le Coz, Chefstratege der französischen Fondsgesellschaft Carmignac Gestion in einem jetzt erschienenen Interview mit „Euro am Sonntag“. Obwohl gerade viele Rentenfonds in der jüngsten Zeit deutliche Kursgewinne erzielen konnten, vertritt er die Auffassung, dass Aktien aktuell gegenüber Staatsanleihen „ganz klar die Nase vorn“ haben. „Von letzteren sind keine hohen Renditen zu erwarten, sie bergen sogar Risiken wie man am Beispiel einiger europäischer Staaten sehen kann“, betonte Le Coz. Bei den Aktien wiederum setzt er vor allem auf Titel aus Schwellenländern. Er erwarte, dass sich diese besser entwickelten als Titel aus den Industrieländern. „Aber auch hier gibt es Risiken“, warnte der Chefstratege. „So ist zum Beispiel die Inflationsgefahr in vielen aufstrebenden Volkswirtschaften groß. Nimmt die Inflation zu, werden die Notenbanken ihre Geldpolitik verschärfen. Auch hier sind die Herausforderungen für Investoren also groß.“

Investmentfonds-Branche wächst 2009 deutlich
Zwar sind die ersten Wochen des neuen Jahres nicht berauschend verlaufen aber beim Rückblick auf die Entwicklung 2009 sieht sich die deutsche Investmentfonds-Branche auf einem deutlichen Wachstumskurs. Auf seiner Jahrespressekonferenz konnte der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) jetzt darauf verweisen, dass die deutsche Investmentfonds-Branche Ende 2009 ein Vermögen im Wert von 1,7 Billionen Euro verwaltet hat. Das waren immerhin knapp 200 Milliarden Euro mehr als Ende 2008. Der größte Anteil am verwalteten Gesamtvolumen entfällt nach den BVI-Zahlen auf Spezialfonds. Sie brachten es zum 31. Dezember 2009 auf 726 Milliarden Euro, nach 642 Milliarden Euro Ende 2008. Publikumsfonds folgten mit 650 (Vorjahr 576) Milliarden Euro, auf Vermögen außerhalb von Investmentfonds entfielen 326 (Vorjahr 289) Milliarden Euro.
Der deutliche Anstieg des verwalteten Vermögens bei Publikumsfonds ist vor allem auf Kursgewinne zurückzuführen. Denn insgesamt verzeichneten die Investmentgesellschaften in dieser Kategorie lediglich Mittelzuflüsse von netto 2,1 Milliarden Euro. Wesentlich mehr neue Gelder flossen dagegen in Spezialfonds. Hier lagen die Netto-Mittelzuflüsse bei 31 Milliarden Euro. Der relativ niedrige Mittelzufluss bei den Publikumsfonds ist insbesondere auf das schlechte Abschneiden der Geldmarktfonds zurückzuführen. Insgesamt zogen die Investoren aus diesen im Jahresverlauf 30 Milliarden Euro ab. Diesen Aderlass konnten die anderen Fondskategorien nur mit Mühe ausgleichen. Dabei verzeichneten allein Aktienfonds übers Jahr gerechnet einen Netto-Mittelzufluss von 14,6 Milliarden Euro. Mischfonds brachten es auf 6,4 Milliarden Euro und offene Immobilienfonds auf 3,2 Milliarden Euro. Auch andere Fondskategorien wie Wertgesicherte Fonds, Hybridfonds und Alternative Anlagefonds verbuchten Netto-Mittelzuflüsse. Aus Rentenfonds zogen die Anleger dagegen insgesamt 0,9 Milliarden Euro ab und aus Zielvorgabefonds 0,8 Milliarden Euro.

BVI will mit Fonds bei der betrieblichen Altersvorsorge punkten

Das Thema der privaten Altersvorsorge treibt die deutsche Investmentwirtschaft seit ehedem um. So war sie beispielsweise lange Zeit ein Ankerpunkt für viele Investoren, die ihre Vermögenswirksamen Leistungen in Investmentfonds-Sparpläne investiert haben. Allerdings ist deren Zahl vor allem aufgrund der neuen betrieblichen Altersvorsorge-Regelungen stark rückläufig. Zumindest wenn die Bundesregierung auf eine jetzt angekündigte Initiative des BVI reagiert, könnte sich das Blatt bald schon wieder ändern und die Investmentfonds verlorenes Terrain im Rahmen der Altersvorsorge wieder gewinnen. Der BVI jedenfalls hat jetzt vorgeschlagen, Investmentfonds-Sparpläne als zusätzliches Angebot in der betrieblichen Altersversorgung zu verankern. „Dieser Lösungsweg ist einfach umsetzbar, er ist erfolgversprechend und bedarf keiner zusätzlichen Förderung“, sagte BVI-Präsident Thomas Neiße. Er taufte das neue Produkt „Direktfondsrente“. Diese hat fünf wesentliche Aspekte:
–    Sie lehnt sich am Prinzip einer Direktversicherung an.
–    Versorgungsträger ist eine Kapitalanlagegesellschaft.
–    Es ist keine zusätzliche Insolvenzabsicherung durch den Pensionssicherungsverein erforderlich.
–    Sie bietet eine Beitragsgarantie wie bei der Riester-Rente.
–    Und sie soll, so erwartet der BVI, zur Erhöhung des Verbreitungsgrades in der betrieblichen Altersversorgung führen.
 
TMW setzt Rücknahme bei TMW Immobilien Weltfonds aus

Der Bereich der offenen Immobilienfonds kommt nicht zur Ruhe: Die TMW Pramerica Property Investment GmbH hat die Rücknahme der Anteile des TMW Immobilien Weltfonds (ISIN: DE000A0DJ328) für zunächst drei Monate ausgesetzt. Als Grund für die Aussetzung gab TMW an, dass die liquiden Mittel des Fonds „nicht ausreichen, um den Rücknahmepreis für die zur Rückgabe vorgelegten Anteile zu zahlen und die ordnungsgemäße laufende Bewirtschaftung“ des Fonds sicherzustellen. Am 13. Januar hatte der Fonds noch 2 Euro je Anteilsschein für das Geschäftsjahr 2008/09 an seine Anleger ausgeschüttet. Der Fonds wird auch an der Börse München gehandelt.

K1-Anleger müssen möglicherweise Wirtschaftsprüfer bezahlen
Schlechte Neuigkeiten gab es auch für die Anleger der von dem mutmaßlichen Anlagebetrüger Helmut Kiener initiierten Fonds K1 Invest und K1 Global. Einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ zufolge werde der Wirtschaftsprüfer Grant Thornton nur dann weiter nach den verschwundenen Geldern fahnden, wenn er dafür bezahlt werde. Das Geld müssen wahrscheinlich die Anleger vorstrecken. Grund der Forderung dürfte sein, so schreibt die Zeitung, „dass Grant Thornton bisher zwar Geld gefunden hat – 360.000 Dollar auf einem K1-Global-Konto in Liechtenstein, 260.000 Euro auf einem niederländischen K1-Invest-Konto –, auf die Summen aber keinen Zugriff hat. Bisher muss das Unternehmen mit seiner Ermittlungsarbeit in Vorleistung treten.“

Änderungen im Kursblatt

In der vergangenen Woche gab es folgende Änderungen bei den an der Börse München notierten Fonds:

Notierungseinstellungen
–    AHW TOP-DIVIDENDE INT. A (ISIN: LU0108749473)
–    DWS GOLDMINENAKT. TYP O (ISIN: DE0009769828)
–    DWS INTERNET-AKT. TYP O (ISIN: DE0009848002)
–    HWB UMB. - HWB PORTF. PLUS R (ISIN: LU0277940762)
–    HWB UMB. - HWB PORTF. PLUS V (ISIN: LU0173899633)
–    HWB UMB. - VICTORIA STR. P. R (ISIN: LU0277941570)
–    HWB UMB. - VICTORIA STR. P. V (ISIN: LU0141062942)
–    STUTTG. GLOB. DYNAMIC OP (ISIN: DE0005117436)
–    THREADN.-EURO BD FD T. A1 (ISIN: GB0002773769)

Der nächste Fonds Report erscheint am Montag, 22. Februar 2010

Zurück