Stabile Umsätze bei bayerischen Genossenschaften
22.04.2010 von Genossenschaftsverband Bayern
München, 22. April 2010 – Die 834 ländlichen und gewerblichen Genossenschaften in Bayern zeigten sich 2009 trotz schwierigem Umfeld stabil. Sie erwirtschafteten einen Gesamtumsatz von knapp 10,5 Milliarden Euro und beschäftigten 26.821 Mitarbeiter.
Mit rund 4,7 Milliarden Euro entfiel ein großer Teil des Gesamtumsatzes auf die 44 Handelsgenossenschaften. Die milchwirtschaftlichen Genossenschaften erzielten als größte ländliche Genossenschaftsgruppe einen Gesamtumsatz von fast 2,3 Milliarden Euro. Im ländlichen Warengeschäft lagen die addierten Umsätze der bayerischen Genossenschaften bei 985 Millionen Euro. Die 40 Handwerksgenossenschaften erwirtschafteten einen Gesamtumsatz von 596 Millionen Euro.
Zunehmende Bedeutung für die Umsatzentwicklung der bayerischen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften haben die 22 Genossenschaften aus dem Gesundheitsbereich. Sie erwirtschafteten einen Umsatz von insgesamt 3,3 Milliarden Euro. Die 106 Genossenschaften aus den Bereichen Umwelt, Energie, Wasser kamen auf einen Umsatz von 332 Millionen Euro.
Die Zahl der Genossenschaftsgründungen stieg 2009 weiter an. Es wurden 48 Genossenschaften gegründet – zwei Drittel mehr als im Vorjahr. Zum Motiv, warum sich über 3.200 neue Mitglieder für die Gründung einer Genossenschaft entschieden haben, erklärt Stephan Götzl, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern: "Eine auf beständigen unternehmerischen Erfolg ausgerichtete Zusammenarbeit vernetzter Betriebe in der Region – das ist das Wesen der Genossenschaft."
Mit 22 neuen Genossenschaften lag der Gründungsschwerpunkt auf dem Sektor Energie, Umwelt und Wasser. Großes Potenzial für Genossenschaftsgründungen sieht Götzl im kommunalen Bereich. "Die Genossenschaft bietet Städten und Gemeinden die Möglichkeit, die Versorgung der Bürger zum Beispiel mit Strom und Wasser privatwirtschaftlich zu organisieren und gleichzeitig die kommunale Unabhängigkeit durch ein Mitspracherecht in der Geschäftspolitik der Genossenschaft zu erhalten."
Handlungsbedarf sieht Götzl für den Bereich Landwirtschaft: "Insbesondere in der Milchwirtschaft brauchen wir insgesamt mehr strategische Weitsicht, Innovationsfähigkeit und Kräftebündelung." Vor allem die überbetriebliche Zusammenarbeit biete Chancen, die Verarbeitungstiefe zu steigern und damit Potenzial, um künftig auf den globalen Märkten zu bestehen. Zudem fordert Götzl eine leistungsfähige europäische Warenterminbörse und begründet: "Für ein stärkeres Gewicht im internationalen Agrarhandel braucht Europa eine geeignete Plattform, auf der landwirtschaftliche Erzeugnisse transparent gehandelt werden können."
Zur Stärkung der Landwirtschaft im Freistaat wirbt Götzl außerdem für die Einrichtung eines zentralen bayerischen Kompetenzzentrums für Ernährung. "Das Kompetenzzentrum sollte idealerweise als Querschnittsinstitution der bayerischen Staatsministerien gebildet werden. Neben der Verbraucherbildung sollte es sich auch für die Qualitätssicherung im bayerischen Agrarsektor einsetzen. Dazu gehören zum Beispiel die Koordinierung der Agrarforschung und die langfristige Sicherung der entsprechenden Forschungsstandorte im Freistaat", so Götzl.
