Umfrage: Hat Ihnen das seit Anfang 2010 verpflichtend anzufertigende Beratungsprotokoll bei der Geldanlageberatung etwas gebracht?
27.08.2010 von Presse
Zeitraum der Umfrage: 21.06.2010 bis 27.08.2010
Ja 30%
Nein 70%
Kommentar
Kommentar von Dr. Stephan Götzl, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern
Die Zeitschrift Finanztest hat jüngst eine neue Untersuchung zur Anlageberatung mit dem Titel „Banken im Test – Die Blamage geht weiter“ vorgestellt. Größter Kritikpunkt von Finanztest: „Die Banken sind seit diesem Jahr gesetzlich verpflichtet, bei einer Anlageberatung über Wertpapiere ein Beratungsprotokoll anzufertigen und ihnen auszuhändigen. […] Die meisten halten sich nicht daran.“
Um es klar zu sagen, die gesetzliche Pflicht muss seitens der Banken eingehalten werden.
Aber: Die Mystifizierung des Beratungsprotokolls durch das Verbraucherschutzministerium und die Verbraucherschutzorganisationen ist durch das klare Ergebnis der fpmi-Umfrage entzaubert. Der Umstand, ob ein Protokoll vorliegt oder nicht, hat zunächst nichts mit der Qualität der Beratung gegenüber dem Kunden zu tun.
Auch wenn der veröffentlichte Bankentest etwas anderes suggerieren will, gute Beratung zeichnet sich nicht durch ihre Protokollierung sondern durch intensive Beschäftigung mit den Belangen und Wünschen des Kunden und dem Finden interessengerechter Lösungen aus. Dabei kommt es zum einen darauf an, dass der einzelne Berater qualifiziert ist, um die vorstehende Aufgabe zu erfüllen. Zum anderen muss auch der Kunde in der Lage sein, das angebotene Finanzinstrument zu verstehen.
Was die Beraterqualität betrifft sind die Banken in der Pflicht. Hier sind wir auch auf einem guten Weg. Die fpmi hat bereits 2009 gefordert, dass Beratungen nur noch von Personen durchgeführt werden dürfen, die eine entsprechende fachliche Qualifikation nachweisen können.
Für die finanzielle Allgemeinbildung ist zunächst jeder mündige Bürger selbst verantwortlich. Hier hat aber auch der Staat eine Verantwortung, indem finanzpolitische Zusammenhänge und wirtschaftliche Fragestellungen bereits in der Schule vermittelt werden. Die eigentliche Blamage ist daher, dass in der größten Volkswirtschaft in Europa noch immer nicht in allen Stundenplänen das Fach Wirtschaft vorkommt.
