Position der fpmi: Niedrigzinsphase birgt erhebliche Risiken

Die aktuelle Niedrigzinsphase birgt nach kurzfristigen Erleichterungen mittel- und langfristig erhebliche Risiken. Diese betreffen sowohl die Verbraucher als auch Banken, Versicherungen und die Wirtschaft im Allgemeinen. Deshalb ist es nach Auffassung der Finanzplatz München Initiative (fpmi) dringend nötig, den Boden für eine Exit-Strategie zu bereiten. Denn je länger die Niedrigzinsphase anhält, desto größer werden die Risiken und die damit einhergehenden negativen Effekte. Die in der Vergangenheit bei der Bewältigung der europäischen Schuldenkrise zu beobachtende Tendenz, sich auf die EZB als dauerhafte Krisenfeuerwehr zu verlassen, ist der falsche Weg. Die Notenbanken können und dürfen die Staatsschuldenkrise nicht lösen. Erforderlich ist vielmehr eine langfristig tragfähige Haushaltspolitik überall in Europa und darüber hinaus.

Konkret bringt die Niedrigzinsphase erhebliche Gefahren für die Finanzmarktstabilität, die allgemeine Wirtschaftsentwicklung und natürlich für die Sparer. Mögliche negative Effekte sind:

  • Kalte Enteignung der Sparer. Durch negative Realzinsen verlieren Spareinlagen real an Wert. Sparer tragen so die Hauptlast bei der Reduzierung der staatlichen Schuldenlast („finanzielle Repression“).
  • Schwächung der privaten Altersvorsorge. Niedrigzinsen erschweren erheblich den langfristigen Vermögensaufbau. Dies betrifft vor allem die private Altersvorsorge: Ohne ausreichende Rücklagen verschärfen sich die demographiebedingten Probleme der sozialen Vorsorgesysteme zusätzlich.
  • Pensionsrückstellungs-Problematik. Durch die niedrigen Zinsen und entsprechend niedrige Finanzerträge haben Unternehmen höhere Lasten bei ihren Pensionsrückstellungen.
  • Belastungen für Lebensversicherungen. Die Niedrigzinsphase setzt auch die Lebensversicherungen unter Druck. Nach Angaben des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft mussten die Versicherer allein 2012 zinsbedingte Mindereinahmen von vier Milliarden Euro verkraften.
  • Verzögerte Strukturreformen. Langfristig niedrige Zinsen verhindern bzw. verzögern nötige Strukturreformen sowohl im Finanzsektor aber auch in der Realwirtschaft. Damit werden „Zombie“-Banken oder „Zombie“-Unternehmen am Leben erhalten – zum Nachteil der Gesamtwirtschaft. Kurzfristig können niedrige Zinsen allerdings das derzeit ohnehin schwache Investitionsklima beleben.
  • Durch dauerhaft niedrige Zinsen geht den Banken eine wichtige Ertragsquelle verloren, die zur Stärkung der Eigenkapitalbasis und damit zur Finanzierung der Realwirtschaft notwendig ist.
  • Neue Blasenbildungen. Auf der Suche nach geeigneten Anlagealternativen lenken die Anleger sehr viel Geld in einzelne Segmente, wie beispielsweise den Immobiliensektor. Angesichts der überschüssigen Liquidität könnten hier Vermögenspreisblasen entstehen. Platzen diese, kommt es zu einer neuen Krise. Aktuell sind in Deutschland allerdings noch keine Anzeichen einer solchen Blase zu erkennen.
  • Steigende Inflationsrate. Aus der Überschussliquidität können längerfristig erhebliche Inflationsgefahren erwachsen, in besonderem Maße für wachstumsstärkere Volkswirtschaften mit höheren Kapazitätsauslastungen. Es ist fraglich, ob diese ohne weiteres beherrschbar sind und die Zentralbanken bei einer konjunkturellen Erholung in der Lage sind, die expansive Geldpolitik auch rechtzeitig zurückzuführen.

Umso wichtiger ist es, dass die Politik diese Risiken nicht ignoriert. Dazu gehört auch eine klare Kommunikation, dass die derzeitige Niedrigzinsphase keine „Normal“-Situation darstellt. Vielmehr handelt es sich um ein spezielles Szenario, das die Notenbanken – auch wenn es die Haushaltssanierung in den Krisenländern erleichtert – nicht dauerhaft aufrechterhalten können. Letztlich gilt es, die Unabhängigkeit der EZB zu stärken, damit sich diese auf ihr Mandat, die Sicherung der Preisstabilität und eine darauf angemessene Zinspolitik, konzentrieren kann. Je länger der Krisenmodus anhält, desto stärker werden die Gewöhnungseffekte und desto größer der Schock, wenn der am Ende doch unvermeidliche Anstieg der Zinsen einsetzt.

Zurück