Initial Coin Offerings: Europa wird von den USA und Asien überrollt

von Finanzplatz München Initiative

Blockchain, Kryptowährungen und ICOs, Initial Coin Offerings, sind zu Buzzwords nicht nur in Finanzkreisen aufgestiegen. Hype auf der einen Seite, vehemente Warnungen auf der anderen – die Expertensicht gibt sich zwiespältig. Dr. Michael Gebert, Vorstandsvorsitzender des deutschen Crowdsourcing Verbandes und Spezialist in Sachen Schwarmintelligenz, konzentrierte sich bei seinem Vortrag im Rahmen des fpmi breakfast auf die Chancen und Zukunftsaussichten der neuen Technologie für die Wirtschaft.


München, 23.02.2018 Eines zeigte Michael Gebert mit aller Deutlichkeit auf: Die Musik der Internet-Plattformen spielt in den USA und mehr und mehr in Asien – Europa ist abgeschlagen Schlusslicht. In Zahlen: 64 Prozent der Marktkapitalisierung der größten Plattformen vereinen sich auf die USA, 31 Prozent auf Asien und gerade einmal 3 Prozent auf Europa. Es sind die Apple, Alphabet, Facebook, Amazon sowie Tencent, Alibaba und Samsung dieser Welt, die diese Welt beherrschen. Und das sind auch die Gegenden, in denen über ICOs, den Initial Coin Offerings, die Finanzierung orchestriert wird, um im Bilde zu bleiben. Längst hat ICO die Frühphasenfinanzierung über Venture Capital abgelöst und es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann Kryptowährungen unseren Alltag des Bezahlens beherrschen.

Der Wert von Kryptowährungen beruht, nicht anders wie der Wert eines jeden anderen Zahlungsmittels, auf Vertrauen. Hier ist es der immaterielle Token als Ausgangspunkt, dort der bedruckte Geldschein. Ein ICO basiert auf den Spielregeln des Crowdfunding und kommt so im Unterschied zu herkömmlichen Finanzierungen wie beispielsweise einem IPO ohne Intermediäre aus. Emissionskosten fallen also weg, Investoren werden mit sogenannten Token, also mit einer Kryptowährung, bezahlt. Im Erfolgsfalle ist das ein lukratives Geschäft für die Geldgeber. Im schlimmsten Fall bricht das System – auch mangels einer steuernden Zentralbank – zusammen. Sehr real sind Kryptowährungen bereits in Ländern, in denen viele Menschen über keine eigene Bankverbindung verfügen. „Bank the unbanked“ lautet das Stichwort und darin sieht Gebert realistische Chancen für eine weitere Verbreitung. Diese Chancen sind gleichzeitig Gefahren für die Geschäftsmodelle der Banken. Denn im Rahmen eines ICO ist keine Bank als Intermediär mehr vorgesehen.

Das tägliche Trading-Volumen von bisher erfolgten ICOs beläuft sich derzeit auf rund 45 Mrd. US-Dollar, der Markt entwickelt sich überaus dynamisch und steckt doch noch in den Kinderschuhen. Der Markt der Kryptowährungen bewegt sich inzwischen bei insgesamt etwa 850 Mrd. Euro, wobei die große Dominanz von Bitcoin mehr und mehr schwindet. NEO etwa, das „bessere“ Ethereum Protokoll für optimierte ICOs und gleichzeitig die neue Kryptowährung aus China, ist ein wichtiges regierungsnahes Projekt und entwickelt sich schwindelerregend, sowohl bei der Marktkapitalisierung als auch beim Wertzuwachs. Nachdem ICOs zunächst verboten wurden, dürfte ein Wiedereinstieg Chinas nach angepasstem Regelwerk durch Plattformen wie NEO nicht die letzte spannende Entwicklung in diesem faszinierenden Markt sein.

 

Über die Finanzplatz München Initiative: Bayern mit seinem Zentrum München ist einer der bedeutendsten Finanzplätze Europas, der größte Versicherungsplatz Deutschlands, der zweitgrößte deutsche Bankenstandort und führend für Private Equity, Venture Capital, Leasing sowie Asset Management. In der Finanzplatz München Initiative haben sich alle wichtigen Unternehmen, Verbände, Institutionen sowie wissenschaftliche und staatliche Einrichtungen aus der Finanzbranche zusammengeschlossen, um mit einer Stimme zu sprechen. Gegründet 2000 unter maßgeblichem Engagement des bayerischen Wirtschaftsministeriums zählt die Initiative heute fünfzig Mitglieder und damit mehr als jede andere Finanzplatzinitiative in Deutschland.

Kontakt:
Ulrich Kirstein
c/o Bayerische Börse AG
Karolinenplatz 6, 80333 München
Telefon: 089 549045-0
Mail: kontakt@fpmi.de

Zurück